Politisch-Historische Bildungsarbeit

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Amateursportvereine als Lernorte der politisch-historischen Bildung

Amateursportvereine sind in ihrer Funktion zur „selbsttätige(n) Aneignung von Demokratie in demokratischer Praxis“1 zu begreifen. Darüber hinaus liegt in Amateursportvereinen das Potenzial als „non-formale Lernwelt“2 Lernende in einem außerschulischen Setting zu erreichen. Durch die demokratische Struktur (Vereinsstruktur) des Lernortes und durch die sportliche Lehr-Lern-Situation bietet sich eine für die Politische Bildung relevante Lernwelt. Dieses Potenzial Politischer Bildung (über ein Demokratieerlernen hinaus) liegt in der Möglichkeit die implizite Bildung, die in Trainings- und Übungssituationen3 vor allem durch die Rolle des*der Trainer*in4, zum einen durch Prinzipien der Politischen Bildung auszufüllen und zum anderen um explizite Bildungsangebote zu ergänzen. Während die Potenziale impliziter Bildung im Kontext des Sports im Verein durch Neuber und Golenia empirisch nachgewiesen sind5, scheinen empirische Untersuchungen zur Wirksamkeit expliziter Politischer Bildung nicht vorzuliegen. Aber genau im Zusammenbringen der gegebenen Strukturen des Vereins (Trainingssituationen, Trainer*innen als außerschulische Lern- und Erfahrungsbegleiter*innen, Vereinsdemokratie) mit expliziter politischer Bildung in Form von unterschiedlichen Lernformaten (bspw. Workshops, Bildungsfahrten oder Begegnungen) liegt ein großes Potenzial für außerschulische Politische Bildung6.


Was heißt das für die Praxis? Politisch-historische Bildungsarbeit mit Torschuss und Vereinsgeschichte

Runtergebrochen lässt sich festhalten: Politisch-historisches Lernen findet nicht nur im Klassenzimmer oder im Hörsaal statt. Menschen dort abzuholen, wo sie sind und wo sie sich gerne aufhalten heißt für uns in Sportvereine, auf Sportplätze, in Vereinsheim oder zu Fans zu gehen. Auch wenn wir Sportwashingkampagnen und der Untätigkeit vieler Akteur*innen im Feld kritisch gegenüberstehen, stimmen wir mit einer Aussage des ehemaligen DFB-Präsidenten Reinhard Grindel überein. Wir glauben daran, dass der Sport und der Fußball ganz speziell „das letzte große Lagerfeuer“7 unserer Gesellschaft darstellen kann. Dies motiviert uns den Sport nicht nur als Sport zu begreifen, sondern als einen Ort, an dem wir historisch-politische Bildung leisten wollen.

Konkret zielen unsere Angebote darauf hinaus gemeinsam mit Sportler*innen, Vereinsverantwortlichen, Fans und Eltern im Sportkontext uns mit jüdischen Identitäten in Vergangenheit zu beschäftigen. Dies kann heißen, dass wir anleiten, wie man die eigene Vereinsgeschichte auf jüdische Spuren absuchen kann, wie man jüdische Zeitzeug*innen findet und mit ihnen arbeitet oder gemeinsam die jüdischen Sportgeschichte und Sportgegenwart des eigenen Kiezes oder der Region entdeckt. Dies kann aber auch heißen Exklusion von Jüdinnen und Juden im Sport zu beleuchten, wie durch die sog. Arierparagraphen im Dritten Reich oder durch antisemitische Übergriffe in Vergangenheit und Gegenwart. Doch soll verstärkt der inklusive Effekt des Sports und von Vereinen im Vordergrund der Angebote stehen und ein Empowerment für von Diskriminierung und Ausschluss Betroffenen im Vordergrund stehen. Dabei setzen wir auf die Kraft des gemeinsamen Sporttreibens: Training und politisch-historisches Lernen funktionieren am besten als gemeinsame Aktivität!


 

  1. Ahlrichs, R. & Fritz, F. (2021). Sportvereine als Orte von politischer Bildung und Demokratiebildung. In: Forum Kinder- und Jugendsport, 2. Jg., H. 1, S. 6–14., S. 6. ↩︎
  2. Heim, R. (2010). Bildung im außerschulischen Sport. In: Neuber, N. (Hrsg.). Informelles Lernen im Sport. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 103–116., S. 110. ↩︎
  3. ebd., S. 114. ↩︎
  4. Neuber, N. & Golenia, M. (2010). Bildungschancen in der Kinder- und Jugendarbeit – eine Studie zum informellen Lernen im Sportverein. In: Neuber, N. (Hrsg.): Informelles Lernen im Sport. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 189–210, S. 203. ↩︎
  5. ebd., S. 204. ↩︎
  6. Ahlrichs & Fritz, S. 13. ↩︎
  7. Grindel, R. & Löhmann, B. (23.04.2018). „Das letzte große Lagerfeuer“. DFB-Präsident Reinhard Grindel über Fußball und Politik. Die politische Meinung. Konrad-Adenauer-Stiftung. https://www.kas.de/de/web/die-politische-meinung/artikel/detail/-/content/interview-das-letzte-grosse-lagerfeuer- (Aufruf 18.06.2026). ↩︎
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